Von der Idee bis zum erfolgreichem Unternehmen:Wie gründe ich ein Start-Up?

Von der Idee bis zum erfolgreichen Unternehmen: Wie gründe ich ein Start-Up?

Laut dem Online-Magazin Gründerszene bezeichnet ein Start-up „eine kürzlich gegründete Firma, die sich in der ersten Phase des Lebenszyklus eines Unternehmens befindet“. Die meisten Start-ups charakterisieren sich dabei durch zwei Eigenschaften: Geboren werden sie aus einer innovativen Idee heraus, haben aber nur geringe finanzielle Mittel zur Verfügung. Durch ihren hohen Grad an Innovation haben sie in der Regel besonders gute Chancen, zu wachsen – und das nicht nur in personeller Hinsicht, sondern auch was ihre Partner-Netzwerke betrifft.

Start-up-Investoren gehen allerdings meist ein hohes Risiko ein, da viele der jungen Unternehmen scheitern. Der häufigste Grund hierbei sei laut dem US-Analyse-Dienst CB Insight die fehlende Nachfrage nach ihren Produkten (42 Prozent). Erst an zweiter Stelle folgt mit deutlich kleinerem prozentualem Anteil, dass den Start-ups die finanziellen Mittel ausgingen (29 Prozent). Gelingt jedoch ein Projekt, können sich die Investoren auch hohe Rendite erhoffen, da sie direkt am finanziellen Erfolg der jungen Unternehmen teilhaben.

Vorher wissen weder Gründer noch Investoren, wie erfolgreich ein Projekt oder ein neues Start-up laufen wird. Daher müssen die jungen Unternehmer vor allem eines leisten: Überzeugung. Denn nicht nur Geldgeber wollen das hohe finanzielle Risiko eindämmen. Auch die anderen Steakholder werden nur eine Geschäftsbeziehung eingehen, sofern diese erfolgsversprechend klingt.

Die Entscheidung zur Selbständigkeit

Nicht selten machen sich Studenten schon während ihres Studiums mit einem kleinen Start-up selbstständig. Zwar haben sie alle Möglichkeiten und Pflichten, wie jeder andere Existenzgründer auch – allerdings genießen sie dank ihres Studentenstatus einige Besonderheiten. Die Webseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi)  gibt einen kleinen Überblick über diese Besonderheiten. So müssen Studierende etwa – sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind – keine Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Nach Vollendung des 25. Lebensjahres und sobald die selbständige Tätigkeit hauptberuflich ausgeübt wird oder die monatlichen Einnahmen 415 Euro überschreiten, sind die Gründer nicht mehr über ihre Familienversicherung abgedeckt, sondern müssen die Beiträge selbst zahlen.

 Wachsende Gründungskultur

In den letzten Jahren hat die Neugründung durch Studenten und Absolventen zugenommen. Die Gründe für diese Entscheidung sind vielfältig. Die häufigsten Gründe sind:

  • in dem sie eigenverantwortlich ihre Ideen realisieren können,
  • sich selbst finden und verwirklichen können,
  • die Chance haben, mehrere Projekte gleichzeitig zu realisieren.

Auch die Universitäten reagieren auf die wachsende Gründungskultur, indem sie zunehmend Gründungsprofessuren anbieten und das Lehrangebot im Bereich Entrepreneurship erweitert haben. Laut einem Uni-Ranking der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) ist die Technische Universität in München (TUM) wichtigster Vorreiter unter den Gründungshochschulen Deutschlands. Sie vermitteln den Studenten Gründungswissen und animieren ihren Unternehmergeist indem sie Best-Practice-Beispiele aufzeigen – das Institut besitzt sogar eine eigene Unternehmensberatung, die entwickelte Technologien auf Anwendung und Marktpotenzial untersucht.

Auf www.stifterverband.com/gruendungsradar stellt der Gründungsradar einige Praxisbeispiele vor, die die Vielfalt der Gründungsförderungslandschaft in Deutschland illustrieren und Hochschulen Anregungen für eigene Aktivitäten geben soll. So hat etwa das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) für seine Professoren, Angestellten und Doktoranden Regularien zum Umgang mit geistigem Eigentum implementiert. Ziel ist, die Verbreitung und den Zugang zu Forschungsergebnissen und deren bestmögliche Nutzung klar zu regeln.

Weitere Beispiele sind die Hochschule Anhalt, die innovative Gründungen durch eine Startprämie fördert, die Ostfalia Hochschule, die eine eigene Venture Capital Gesellschaft betreibt und damit Studenten, Professoren und Mitarbeiter mit bis zu 20.000 Euro unterstützt. Oder die Humboldt Universität zu Berlin, die ihren Gründern mittels Crowdinvesting hilft, indem sie Mittel zur Anschubfinanzierung einwirbt, beim Feinschliff des Businessplans und der internen oder externen Vermarktung hilft. Über eine halbe Million Euro haben HU-Gründungen bereits über Crowdinvesting- Plattformen eingesammelt.

Beitrag der Politik

Auch die Bundesregierung fördert aktiv die Gründung von Unternehmen an den Universitäten. Ein Beispiel sind die Exist-Programme des Bundeswirtschaftsministeriums, die zur wachsenden Gründungskultur an deutschen Unis einen großen Teil beigetragen haben. Erklärtes Ziel ist – neben der Verbesserung des Gründungsklimas an deutschen Hochschulen – die Anzahl und den Erfolg technologieorientierter und wissensbasierter Unternehmensgründungen zu erhöhen. Weitere Informationen zu Förderprogrammen des Bundes siehe unten.

Weichen für die Zukunft stellen: der Businessplan

Die Idee ist geboren oder eine Innovation entwickelt. Nun müssen Geldgeber her, um das Projekt in die Realität umzusetzen. Ob Banken, Crowdinvestoren oder Beteiligungsgesellschaften – unabhängig davon, welche Art von Geldgeber für das Projekt in Frage kommt. Man sollte sich immer mit einem Businessplan oder einer Präsentation bei möglichen Investoren bewerben, die die Geschäftsidee erfolgsversprechend darstellen. Diese ausformulierte Zusammenfassung des unternehmerischen Konzepts beinhaltet alle Ziele und Strategien des Vorhabens mit den grundsätzlichen Voraussetzungen und Maßnahmen für einen bestimmten Zeitrahmen sowie eine bestimmte Zielgruppe.

Es gibt zwar einen allgemeinen Fahrplan, wie man sein unternehmerisches Konzept am besten darstellt, jedoch ist vor allem auch wichtig, sich vorab auf der Homepage bei den möglichen Kapitalgebern zu informieren. Welche Bedingungen stellt der Geldgeber an ein Start-up? Investiert er nur in bestimmte Branchen oder Regionen? Diese und weitere Grundvoraussetzungen sollte jeder Entrepreneur für jedes individuelle Projekt vorab überprüfen Zusätzlich kann er sich dann an einigen Bausteinen und Rahmenbedingungen orientieren, die im Folgenden vorgestellt werden. Grundsätzlich gilt es, seinen Businessplan klar zu gliedern und verständlich zu halten.

Der Ausgangspunkt: die Geschäftsidee

Die Idee zur Existenzgründung bildet die Grundlage für jedes Business-Modell. Er dient nicht nur als Instrument, um Finanzierungspartner zu finden – sondern hilft vor allem auch dem Unternehmer selbst, herauszufinden, ob seine Geschäftsidee realisierbar ist und überhaupt wirtschaftliches Potenzial birgt. Denn jeder, der einen Geschäftsplan erstellt, muss die Chancen und Risiken beleuchten – und unterzieht seine Idee somit automatisch einer Machbarkeits- und Wirtschaftlichkeitsprüfung.

Das Internet bietet allen Gründern einige Hilfestellungen, Vorlagen und kostenfreie Excel-Tools, um einen Businessplan zu erstellen. Die Plattformen Für-Gründer.de und Existenzgründer.de bieten beispielsweise kostenlose Businessvorlagen und -beispiele zum Download sowie verschiedene Online-Tools an. Sie enthalten neben allen relevanten Bereichen auch Hinweise, die man beim Ausfüllen beachten sollte.

Schritt 1: Geschäftsidee ausformulieren

Wie lautet meine Idee? Wie lautet das detaillierte Dienstleistungs- oder Produktangebot? Wie definiert sich meine Zielgruppe? Welches Potenzial bietet mein Projekt? Diese Fragen, sollte jeder Gründer oder Projektverantwortlicher zunächst ausformulieren, wenn er seinen Businessplan aufstellt. An dieser Stelle ist es auch notwendig, sich schon einmal Gedanken zu machen, was das Besondere an dem Vorhaben ist und weshalb sich das Produkt oder die Dienstleistung gegenüber der Konkurrenz hervorhebt (sogenannter USP – Unique Selling Proposition). Immerhin sollte das Angebot auf Nachfrage treffen bzw. diese zu wecken in der Lage sein. Idealerweise kann man zu diesem Zeitpunkt schon darstellen, in wie weit sich die Geschäftsidee von bestehenden Konzepten unterscheidet und welchen Zusatznutzen sie bietet.

Schritt 2: Markt- und Wettbewerbsanalyse

In welchen Markt trete ich ein? Welche Wettbewerber habe ich? Eine eigene Marktforschung kann diese Fragen beantworten und bildet die Grundlage für die weiteren Kapitel im Businessplan. Sie bestimmt auch die Marktgröße (wie groß ist die Nachfrage) und gibt eine Einschätzung für die zukünftige Entwicklung des Zielmarkts (Marktwachstum und -potenzial). Die Wettbewerbsanalyse identifiziert Markteintrittsbarrieren und analysiert die Attraktivität des Marktes und ihre Konkurrenten.

Schritt 3: Unternehmensziele und -strategie

Was möchte ich wie erreichen? Was ist meine Vision? Was sind die kurzfristigen, was die langfristigen Ziele? Jeder Gründer oder Projekt-Verantwortliche sollte somit die Meilensteine der nächsten drei bis fünf Jahre festlegen. Daraus geht auch die Unternehmensstrategie hervor. Das Ziel ist, dass der Businessplan an dieser Stelle verdeutlicht, warum man welche Unternehmensstrategie (Nische, Kostenführer oder Differenzierung) gewählt hat. Entscheidende Faktoren für die Bestimmung der Unternehmensstrategie sind unter anderem der Kundennutzen, die Positionierung sowie der Konkurrenzvorteil.

Schritt 4: Marketingmix

Wir spreche ich meine Kunden an? Welche Marketingmaßnahmen wähle ich, um mein Produkt zu verkaufen? Werbemaßnahmen und Kommunikation sind das A und O, um sich oder seinem Projekt einen Namen zu machen und dadurch den Absatz zu fördern. Als Hilfestellung kann man hier das klassische 4P-Modell nehmen: Product, Price, Place und Promotion. Ein Marketingmix also, der aus den Marketinginstrumenten Produktpolitik, Preispolitik, Distributions- und Kommunikationspolitik besteht. Dieser Mix wurde durch das Überwiegen des tertiären Sektors, Dienstleistungsbereiche machen in Deutschland fast 70% des BIP, um drei Punkte erweitert: Personell, Processes und Physical Evidence. Die Weiterentwicklung des Modells um Personalpolitik (personell), Prozesspolitik (processes) und Ausstattung und Wahrnehmung (physical evidence) berücksichtigt, dass Dienstleistungen im Gegensatz zu Produkten immateriell sind und anders vermarktet werden müssen. Die Maßnahmen und Eigenschaften der P’s sollen im Marketingmix so festgelegt werden, dass sie aufeinander abgestimmt sind. Um das Kapital Marketingmix im Businessplan schreiben zu können, sollten man sich Schritt für Schritt durch die vier P's durcharbeiten.

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Schritt 5: Finanzplan

Der Finanzierungsplan ist das Herzstück des Businessplans und beschreibt den Kapitalbedarf und die geplanten Einnahmen, die notwendig sind, um die Kosten zu decken. Eine Übersicht der Kosten lässt sich anhand einer Timeline visualisieren und setzt sich zusammen aus einmaligen und laufenden Ausgaben.

Die Gründungskosten sind einmalig und fallen an, bevor man loslegt. Die Investitionen hingegen werden in der Regel direkt nach der eigentlichen Gründung getätigt. Die laufenden Kosten fallen dann meist in der laufenden Gründungsphase an – gerade in den ersten Monaten sind diese sehr hoch. Diesen wichtigen Faktor sollte man insbesondere bei der Kapitalbedarfsberechnung berücksichtigen. Grundsätzlich sollte man nicht zu optimistisch rechnen, sondern einen Puffer mit einbeziehen.

Ist der Kapitalbedarf festgelegt, stellt sich letztendlich die Frage, wie man den Betrag finanzieren möchte. Eigene Mittel, zusätzliches Eigenkapital z.B. über Crowdinvesting, Business Angel, Venture Capital Fonds oder andere Fremdfinanzierungsinstrumente (Darlehen, Warenkredite etc.).

 Schritt 6: SWOT

Darüber hinaus kann man mit weiteren Informationen den Plan abrunden. So ist es immer gut, wenn man etwa das Gründer- und Managementteam festlegt (Mit wem möchte ich mein Projekt realisieren? Wer gehört zu meinem Projektteam?). Eine SWOT-Analyse beschreibt die Stärken und Schwächen sowie die Chancen und Risiken für die Unternehmung. Die SWOT-Analyse ist übrigens auch für bereits bestehende Unternehmen ein wichtiges Instrument und sollte mindestens einmal pro Jahr durchgeführt werden. Denn der Markt ändert sich ständig und so kann es jederzeit sein, dass neue Chancen entstehen bzw. Risiken auftreten können.

Startup-Background: Was muss ich für Grundvoraussetzungen mitbringen?

Im internationalen Vergleich schneidet Deutschland in Bezug auf seine Gründeraktivität ziemlich schlecht ab. Laut des Global Entrepreneurship Report belegt Deutschland Rang 27 (von 28) unter den innovationsbasierten Staaten, weit hinter den Niederlanden, Portugal, Österreich oder den USA. Aufgrund der stabilen Beschäftigungs- und Wirtschaftslage halten viele an ihren Angestelltenverhältnissen fest und so beziffert das BMWi die Zahl der neu gegründeten Unternehmen auf rund 300.000, mit einer tendenziell rückgängigen Zahl. Dem gegenüber stehen aber 348.000 Liquidationen, so dass unter dem Strich ein negativer Saldo von 48.000 steht. Den Rückgang begründen die Autoren mit der stabilen Beschäftigungssituation und der geringen Arbeitslosigkeit. Einzig die Nebenerwerbsgründungen verzeichnen einen Aufwärtstrend mit 78.000 mehr Neugründungen.

Außerdem verhindern die kritische Einstellung der deutschen Gesellschaft gegenüber dem Scheitern und der schwere Zugang zu Kapital mehr Neugründungen. Dem Leitmotto des Silicon Valley, „Scheitere früh, scheitere oft, damit du schneller etwas erreichst", steht die „German Angst“ gegenüber: Aus Angst vor Fehlern wird gezögert, gezweifelt und vermieden. Dass auf Dauer nur derjenige erfolgreich sein kann, der Fehler macht, aus Rückschlägen lernt und immer neue Lösungen sucht und findet, wird oft vergessen.

Daher muss, vor allem bei jungen Menschen, der Mut zum Scheitern gefördert werden, um im internationalen Wettstreit mithalten und bestehen zu können. Die Gesellschaft muss Scheitern als die beste und intensivste Lehre des Lebens verstehen und weitergeben.

Entwickelt sich diese Erkenntnis weiter, so erleichtert das für Gründer auch den Zugang zu Kapital. Aktuell werden viele Neugründungen durch den schweren Zugang zu (Start-)Kapital verhindert und so geht viel Potential verloren.

  Rahmenbedingungen für Existenzgründungen in Deutschland

Die Ursachen für die geringe Anzahl an Existenzgründungen sehen die Autoren der Studie außerdem im mangelnden Gründergeist der Deutschen, denn die staatlichen Unterstützungen sind überdurchschnittlich und ausgesprochen gut und weisen für Gründer in Deutschland folgende Stärken aus:

  • eine gute physische Infrastruktur
  • öffentliche Förderprogramme
  • Schutz von geistigem Eigentum (z. B. Patente)
  • Wertschätzung neuer Produkte und Dienstleistungen
  • Berater und Zulieferer für Unternehmen

Persönliche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Existenzgründung

Doch wichtiger als die Rahmenbedingungen sind die persönlichen Voraussetzungen und Eigenschaften, die Gründer mitbringen oder mitbringen sollten. Welche Eigenschaften führen also zum Erfolg? Mit dieser Frage hat sich sowohl das Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) Bonn als auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin beschäftigt und die Persönlichkeiten von Selbstständigen und Angestellten miteinander verglichen. Die Persönlichkeitsmerkmale wurden anhand des „Fünf-Faktoren-Modells“ nach Gordon Allport und Odbert erfasst und lauten:

  • emotionale Stabilität (Ruhe, Gelassenheit, Souveränität)
  • Extraversion (Begeisterungsfähigkeit, Kontaktfähigkeit, Durchsetzungsfähigkeit)
  • Offenheit für Erfahrungen (Kreativität, Neugier, Aufgeschlossen)
  • Verträglichkeit (flexibel, tolerant, kooperativ)
  • Gewissenhaftigkeit (organisiert, zuverlässig, leistungsorientiert)

Die Ergebnisse haben gezeigt, dass die Wahrscheinlichkeit zur Unternehmensgründung steigt, je ausgeprägter die Merkmale „emotionale Stabilität“, „Extraversion“ und „Offenheit für Erfahrungen“ sind. Um weitere Faktoren mit in die Analyse einzubeziehen, wurden weitere fünf Merkmale definiert.

  • Grad der Risikobereitschaft
  • Bereitschaft anderen zu vertrauen
  • Fähigkeit Geduld aufzubringen
  • Impulsive Entscheidungen zu treffen
  • Stärke der internalen und der externalen Kontrollüberzeugung (Überzeugung, die Zukunft durch eigene Entscheidungen und Aktivitäten gestalten zu können)

Da jede Neugründung ein gewisses Risiko birgt, steht ein höherer Grad zur Risikobereitschaft positiv in Beziehung zum Entschluss, ein Unternehmen zu gründen. Umgekehrt verhält es sich bei einer geringen Risikobereitschaft, diese Personen tendieren zur Sicherheit eines Angestelltenverhältnisses. Den Mut zum Risiko brauchen Unternehmer ebenso, um auch durch schwere Zeiten zu gehen und die Selbstständigkeit nicht schnell wieder zu verlassen.

Im Kern verankert ist die Notwendigkeit von Kreativität. Diese unverzichtbare Eigenschaft bildet nicht nur die Grundlage für Neugründungen, sondern auch für den Erhalt des Geschäftsbetriebs darüber hinaus. Unternehmer müssen stets auf Entwicklungen reagieren und Anpassungsfähigkeit beweisen, um ihre Ideen weiter zu entwickeln und langfristig nicht nur zu bestehen, sondern auch wachsen zu können.

Die vermeintliche Unabhängigkeit hängt am meisten von einem selbst ab. Von Beginn an sollte man sich selbst gegenüber ehrlich und anderen Meinungen gegenüber offen sein. Für eine Existenzgründung ist man immer auch auf die Unterstützung anderer angewiesen, nicht nur finanziell, sondern auch emotional.

Am Ende entscheidet der Markt über den Erfolg einer Idee. Auch hier spielt die Offenheit eine wichtige Rolle, um die eigenen Chancen realistisch einzuordnen.

Wer gründet in Deutschland?

Der Mikrozensus weißt einen Anteil von 10,5% an Selbstständigen in Deutschland aus, wobei sich rund zwei Drittel der Unternehmer ohne Partner oder Mitarbeiter in die Selbstständigkeit begeben. Nur 15% haben in die Existenzgründung Mitarbeiter eingebracht. Männer gründen vergleichsweise häufiger als Frauen, so liegt der Anteil der selbstständigen Männer am Durschnitt von bei 13,3% und Frauen kommen auf 7,3%. Einer speziellen Altersklasse lassen sich die Gründungen nicht zuordnen, es wird quer durch die gesamte Bevölkerung gegründet. Den größten Teil, etwa ein Drittel, machen 25-34 Jährige aus.

Warum wird gegründet?

Gründungen in Deutschland sind am häufigsten durch eine Geschäftsidee (48,2%) oder durch mangelnde Erwerbsalternativen (31,5%) motiviert. Der Unterschied spiegelt sich auch in den Bildungshintergründen der Unternehmer ab. Zwar gibt fast die Hälfte der Unternehmer als höchste Berufsqualifikation eine Lehre oder Berufsfachschule an, aber es sind überdurchschnittlich viele Akademiker, mit einem Anteil von 19,5%, die eine konkrete Gründungschance und Wachstumserwartung an ihre Geschäftsidee haben. Sicherlich stellt eine höhere Bildung keine Garantie, aber durchaus ein Potential einer erfolgreichen Gründung dar.

Was wird gegründet?

Der Mangel an Rohstoffen und die hohe Exportkraft Deutschlands zeigen sich auch in den Unternehmensgründungen. Wissens- und Technologiebasierte Produkte und Dienstleistungen spielen eine wichtige Rolle bei neuen Geschäftsideen. Im internationalen Vergleich befindet sich Deutschland im Mittelfeld in Bezug auf die Technologieintensität. Fast 65% aller Gründungen erfolgen im Dienstleistungsbereich, gefolgt vom Handelsgewerbe. Dies spiegelt den seit Jahren anhaltenden Strukturwandel der Volkswirtschaft wider.

Wie finanziere ich meine Idee?

Gründer, die Geldmittel benötigen, um ihre Geschäftsidee umzusetzen, haben mittlerweile eine große Auswahl an unterschiedlichen Finanzierungskonzepten. Dabei gilt, dass jeder Unternehmer individuell für sich prüfen sollte, welche Finanzierung in seine Strategie passt. Die Basis bildet dabei der Finanzplan, der im Rahmen des Businessplans erstellt wird. (s.o.)

Selbstfinanzierung: Bootstrapping

Finanziert ein Gründer sein Start-up mit eigenen Mitteln und ganz ohne Fremdkapital, spricht man von Bootstrapping. Hinzu kommt dass man sein eigener Herr ist, was Entscheidungen angeht, da es keine Investoren gibt, die Mitspracherechte haben.

Bootstrapping birgt allerdings auch einige Nachteile. So entsteht bei geringem Kapital ein enormer Druck für den Existenzgründer. Auch die unternehmerische Freiheit der meist jungen Studienabsolventen birgt das große Risiko von Fehlentscheidungen. Entscheidet sich ein Gründer für diese Finanzierungsform, sollte er aufgrund der knappen Ressourcen und des begrenzten Zeitplans versuchen, möglichst schnell ins operative Geschäft einzusteigen, um nach möglichst kurzer Zeit den Break-Event Point zu erreichen und einen positiven Cashflow zu generieren. Dieser ist unabdingbar, damit sich das junge Unternehmen in der weiteren Entwicklungsphase und somit auch langfristig selbst trägt.

Reduzierte Prozesse: Lean Management

Vor dem Hintergrund, dass Start-ups einer „Hit or Miss“-Situation gegenüber stehen, wurden Prinzipien und Instrumente der Lean Start-up-Methode entwickelt. Sie zielen darauf ab, die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns zu reduzieren. Dieser Ansatz funktioniert, indem man alle Prozesse so schlank (englisch lean) wie möglich hält. Der Fokus der Lean-Methode liegt hierbei auf einem kurzen Produktentwicklungs-Zyklus und das direkte Kunden-Feedback. So sollen Unternehmer direkt auf Kundenbedürfnisse reagieren, indem sie das Produkt oder die Dienstleistung immer wieder anpassen. Eric Ries prägte den Begriff des Lean-Start-ups im Jahr 2008, der seitdem einen Trend auslöste.

Finanzierung mit Fördermitteln

Viele Gründer, die keine eigenen Mittel haben, können auch auf eine staatliche Förderung hoffen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie bietet einen Überblick über bestehende Förderprogramme, die Städte und Gemeinden, Bund und Länder sowie die Europäischen Union anbieten. In Deutschland gibt es zurzeit zwischen 1.500 und 2.000 Förderprogramme. Dabei handelt es sich überwiegend um Darlehen mit entsprechend günstigen Konditionen, diese müssen nicht zurückgezahlt werden. Das Ziel aus staatlicher Sicht ist in erster Linie: neue Arbeitsplätze zu erschaffen.

Einige Beispiele von Förderprogrammen sind etwa EXIST, ein Fördergeld für Studenten, die Förderprogramme der KfW Bankengruppe, die für Start-ups, Freiberufler und Gründer besonders günstige Kredite anbieten, sowie die Fördergelder der BAFA, dem Bundesamt für Wirtschaft- und Ausfuhrkontrolle, die sich auf Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien konzentrieren. Um wettbewerbsfähig zu sein, gibt es auch EU Förderprogramme für Kleinunternehmer. Wer diese beantragen möchte, sollte sich durch einen Experten beraten lassen, da es auf europäischer Ebene viel zu beachten gibt.

Starthilfe durch einen Gründungszuschuss

Wer vor der Gründung arbeitslos war, kann sich um einen Gründungszuschuss von der Agentur für Arbeit bewerben. Antragsberechtigt sind Bezieher von Arbeitslosengeld I. Wenn sie noch mindestens 150 Tage einen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben sind Förderungen in Höhe von bis zu 18.000 Euro möglich – und zwar steuerfrei, zusätzlich zum erzielten Gewinn und nicht rückzahlbar.

Da es unzählige Stellen gibt, die Förderprogramme anbieten, gibt es auch hier keine Ideallösung, wie man das Startkapital erhält. Die Seite Förderland.de zeigt aber, wie man in sieben Schritten zu einer erfolgreichen Förderung kommt. Dazu gehören: einen Projektplan erstellen, sich einen Überblick der Programme verschaffen, Fördervoraussetzungen prüfen, Details planen, einen Antrag stellen, die relevanten Unterlagen auf Vollständigkeit prüfen und letztendlich Hilfestellungen zu den Verträgen nutzen.

Kredite und Darlehen

Alternativ zu Förderprogrammen können auch Bankkredite eine Finanzierungsoption sein. Hier empfiehlt es sich in jedem Fall, sich auf das Bankgespräch intensiv vorzubereiten. Auch der Businessplan ist unbedingt notwendig, um die Hausbank von seinem Vorhaben zu überzeugen. Grundsätzlich wird der Kredit jedoch nur gewährt, wenn private Sicherheiten somit also eine entsprechende Bonität vorhanden sind. Es empfiehlt sich, zusätzlich spezielle Fördermöglichkeiten für Existenzgründer in Anspruch zu nehmen (s.o.).

Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) bietet z.B. ein Startgeld für Gründungsvorhaben. Auch der Bund, die Länder, Kommunen und die Europäische Union bieten Fördermöglichkeiten oder Bürgschaften für Darlehen an. Das bedeutet, dass die Förderstelle zusichert, im Verlustfall die Bank zu entschädigen – sie bürgt also regelrecht für das Darlehen (geförderter Kredit). Für die Banken ist dies natürlich ein überzeugendes Argument, den Kredit zu gewähren, denn das Risiko wird somit abgemildert. Viele Förderungen können miteinander kombiniert werden.

Finanzierung über die Crowd

Mit Crowdfunding können immer mehr Menschen direkt in junge und innovative Unternehmen investieren – und das schon mit geringen Geldbeträgen. Gerade die kleinen Investitionen verringern das Risiko für die Geldgeber und sind damit einer der Hauptgründe, warum die Finanzierung über den Schwarm gerade für kapitalsuchende Start-ups eine gute Finanzierungsalternative darstellt.

Crowdfunding ist nicht nur deshalb als Finanzierungsalternative immer beliebter geworden. Besonders bei Startups und Selbstständigen. Was vereint junge Firmen und so manchen selbstständigen Unternehmer mit guten Ideen? Wo die Mechanismen des Marktes eigentlich unterstützend greifen sollten, versagen sie bei ihnen oft – insbesondere bei sozialen, kulturellen, sehr visionären oder sehr forschungsintensiven Projekten. Wer auf eine staatliche Förderung hofft, sieht sich mit hohem bürokratischem Aufwand konfrontiert, der Zeit und Energie der Projektinitiatoren für ihre eigentliche Aufgabe raubt.

Crowdfunding eignet sich für jeden Unternehmer der neue Wege gehen will als Alternative zum Bankkredit. In der Regel erhält man bei einer Bank einen Kredit, während man beim Crowdinvesting ein Nachrangdarlehen erhält, das eigenkapital-ähnlichen Charakter hat. Bei Nachrangdarlehen darf weder eine Zinszahlung noch eine Rückzahlung die Insolvenz des Unternehmens auslösen. Dieser wichtige Umstand ist für den Existenzgründer außerordentlich bedeutsam. Solche Mittel kann man bei einer Bank nicht bekommen. Die alternative Finanzierung kann sowohl bei kleineren als auch größeren Projekten sinnvoll sein.

Vorteile für Investoren und Gründer

Bei einem Start-up Investment gehen Anleger zwar meist ein erhöhtes Risiko ein, gelingt jedoch ein Projekt, können sich die Investoren auch hohe Renditen erhoffen, da sie direkt am finanziellen Erfolg der jungen Unternehmen teilhaben.

Auch für die kapitalsuchenden Unternehmen ergeben sich Vorteile gegenüber einem Bankkredit. Dadurch, dass der Investor Teil des Projekts und dessen Erfolg wird, agiert er als Multiplikator: Er motiviert seine Partner, Freunde und Bekannte, sich ebenfalls am Crowdinvesting zu beteiligen. Durch dieses Prinzip werden Firma und Projekt bekannt und die Erfolgsaussichten vergrößern sich mit jedem neuen Kontakt. Das spart Werbekosten, erhöht die Aufmerksamkeit und schafft persönliche Verbindlichkeit.

Facetten des Crowdfundings

Es gibt vier Modelle, sein Projekt über die Crowd zu finanzieren. Das klassische Crowdfunding, Crowdinvesting, Crowdlending und das spendenbasierten Crowdfunding. Beim spendenbasierten Crowdfunding (Donation-based Crowdfunding) spenden die Förderer während eines bestimmten Zeitraums Geld für ein Projekt oder einen bestimmten Zweck, ohne eine Gegenleistung dafür zu bekommen. Im Rahmen des gegenleistungsbasierten Crowdfundings erhalten die Geldgeber eine nicht-monetäre, symbolische Gegenleistung. Beispielsweise persönliche Gegenstände des Künstlers, dessen Werk mitfinanziert wurde. Diese Formen werden auch unter dem Begriff Crowdsponsoring zusammengefasst. Hier werden Beträge von wenigen Euro, bis ein paar Hundert Euro gegeben.

Im Crowdinvesting erhält der Anleger eine Beteiligung an zukünftigen Gewinnen des finanzierten Projekts. Somit spekuliert der Investor auf eine finanzielle Rendite. Crowdlending hingegen verspricht seinen Unterstützern, dass die Investition zurückgezahlt wird, mit oder ohne Zinsen.

Crowdfunding Plattformen und Projekte können einem Modell nicht immer eindeutig zugeordnet werden. Es kommt auf die vertragliche Ausgestaltung des Geschäftsmodells an, nicht auf die rein formale Zuordnung zu einem der vier Crowdfunding-Modelle.

Venture-Capital: Riskante Investition mit hohen Renditen?

Auch Beteiligungsgesellschaften konzentrieren sich darauf, Eigenkapital in junge Unternehmen zu investieren, die noch in den Kinderschuhen stecken. In diesem Fall spricht man von Risikokapital, Wagniskapital oder auch Venture-Capital (VC).

Venture-Capital ist eine Unterkategorie von Private Equity. Der englische Begriff Private Equity (PE) bezeichnet im Allgemeinen privates Beteiligungskapital, also Investitionen bzw. Geldanlagen, die in nicht börsennotierte Unternehmen getätigt werden. Zwar gibt es die klassische externe Eigenkapitalfinanzierung schon lang als gängiges Finanzierungsinstrument. Doch hat sich Private Equity erst seit den 1960er Jahren zu einem eigenen Zweig in der Geldanlagebranche entwickelt. Gemäß seiner prozentualen Beteiligung verlangt der Eigenkapitalgeber hierbei einen Anteil am Gewinn.

Die Investitionen werden in der Regel von professionellen Kapitalbeteiligungsgesellschaften, so genannten Private Equity Gesellschaften (PEGs), verwaltet. Weltweit sind das vor allem britische und amerikanische Firmen sowie mehrere kleine nationale Beteiligungsfirmen. Große amerikanische Equity-Firmen wie Apollo Global Management oder Kohlberg Kravis Roberts & Co. werden in Europa meist mit einheimischen Tochterfirmen und einem lokal ansässigen Management vertreten. In Europa sind es jedoch größtenteils europäische Investoren, die Kapital zu Verfügung stellen.

Venture-Capital: Ein KNow-how-Transfer

Man sollte sich im Zusammenhang mit dem Begriff Venture-Capital von dem Gedanken distanzieren, dass es sich bei dieser Art von Kapital um einen Kredit handelt. Vielmehr ist diese Investment-Form als eine Art Business-Entwicklungshilfe zu verstehen. Ein Venture-Capitalist unterstützt ein junges Unternehmen oder eine innovative Idee mit monetären Mitteln – und natürlich dem Ziel, seinen Gewinn zu maximieren.

Der Vorteil für junge Unternehmer besteht vor allem darin, dass die Art von Gläubiger auch oftmals betriebswirtschaftliches Know-how zur Verfügung stellt, um den jungen Unternehmern zu helfen, ihre Idee erfolgreich voranzutreiben. Häufig ist in diesem Zusammenhang die Rede von intelligentem Kapital („smart capital“). Der Kapitalgeber kann damit aktiv in die unternehmerischen Tätigkeiten eingreifen und mit seinen eigenen Kontakten etwa beim Aufbau eines neuen Netzwerkes oder bei wichtigen Personalentscheidungen helfen. Für Studienabgänger stellt dies noch mal eine enorme Unterstützung dar.

Aus Sicht der Geldnehmer ist diese Form der Kapitalbeschaffung oftmals die einzige Möglichkeit. Denn die jungen, nicht börsennotierten Unternehmen (Start-ups) erhalten selten einen regulären Bankkredit, da sie weder genügend Sicherheiten noch Eigenkapital aufbringen können. Die Mindestbeteiligungen liegen in Deutschland immerhin bei 20 bis 35 Prozent.

Stufen der Unternehmensentwicklung

Beim Venture-Capital unterscheidet man verschiedene Stufen der Unternehmensentwicklung – auch Stages genannt. Die Stufe mit dem höchsten Risiko ist die Seed-Finanzierung. Sie findet statt, wenn sich das Start-up noch in der Seed (zu Deutsch: Samen) Stage – also ganz am Anfang befindet.

Danach folgt die Early Stage-Finanzierung, in der das eingebrachte Venture-Kapital zumeist für die Aktivitäten nach der vollendeten Produktentwicklung gebraucht wird – an dieser Stelle hält sich das Risiko des kompletten Geldverlustes in Grenzen.

Die darauffolgende Later-Stage Finanzierung wird auch oft als Growth Finance oder Expansion bezeichnet. In der letzten Stufe – auch Exit genannt – werden in der Regel die Anteile an einem Unternehmen wieder zurück an die Gründer verkauft. In manchen Fällen kauft diese auch ein anderer, finanzkräftiger Investor, der in die Firma einsteigen will. Nur in der Exit-Phase erhalten die Kapitalgeber Geld – denn bei Venture-Capital-Investitionen werden den Gläubigern keine Dividenden oder Zinsen ausgezahlt. Der Gewinn liegt also alleine im Verkauf der Anteile.

Wann macht Venture Capital sinn?

Aus ökonomischer Sicht ist Risikokapital eine Finanzierungsform, die in besonderem Maße durch Anreizprobleme zwischen Venture-Capital-Investor und Start-up geprägt ist. Das Problem liegt in der Transparenz: Denn die Beteiligungsgesellschaft kann nicht unbedingt genau beobachten, ob der Unternehmer das zur Verfügung gestellte Geld tatsächlich im Sinne der Investoren einsetzt – nämlich in der Form, dass der Unternehmenswert erhöht wird. Um diese Interessenschere abzuschwächen, haben Risikokapitalgesellschaften daher verschiedene typische Vertragsstrukturen und Kontroll- und Eingriffsrechte etabliert. Im drastischsten Fall können sie den Unternehmer bei schlechter Leistung sogar entlassen.

Eine weitere Möglichkeit für Investoren, Einfluss zu nehmen ist, dass sie das Kapital in mehreren Tranchen zur Verfügung stellen. Dabei gilt die Bedingung, dass nur weiterfinanziert wird, wenn bestimmte Meilensteine erreicht wurden („staging“). Auch Wandelanleihen werden bevorzugt eingesetzt. Sie geben den Risikokapitalgesellschaften die Möglichkeit, an guten Unternehmensergebnissen teilzuhaben und dennoch bei schlechtem Verlauf weiterhin eine laufende Verzinsung und ggf. Priorität im Konkursfall zu erhalten.

Wie kommt man an Venture Capital?

Die Online-Plattform Für-Gründer.de schätzt, dass es rund 110 aktive Venture-Capital-Gesellschaften in Deutschland gibt. Beispiele bekannter Wagniskapitalgeber sind BrainsToVentures (b-to-v), eCapital, Evonik Corporate Venturing – um nur einige zu nennen. Aber wie finden Start-ups die richtigen Beteiligungsgesellschaften für ihr Projekt?

Neben einem Businessplan (s.o.) gibt es eine weitere Möglichkeit, die richtige Beteiligungskapitalgesellschaft zu finden. So kann man bei fachspezifischen Messen und Veranstaltungen persönlich Kontakt aufnehmen oder man wählt die Suche über das Internet. Auf der Webseite des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) ermöglicht eine spezielle Suchfunktion, eine Beteiligungsgesellschaft anhand der jeweiligen Investitionskriterien zu finden.

Die Suchfunktion basiert auf den Profilen der ordentlichen BVK-Mitglieder im Mitgliederverzeichnis und soll Kapitalsuchenden Unternehmen bei der Identifikation potenzieller Kapitalgeber und der anschließenden Kontaktaufnahme unterstützen. Der bereits 1988 gegründete BVK ist die Interessensvertretung der Private Equity-Branche in Deutschland. Diese umfasst die Private Equity-Gesellschaften – von Venture-Capital über Wachstumsfinanzierung bis zum Buy Out-Bereich – sowie die institutionellen Investoren, die in Private Equity investieren. Der BVK vertritt über 320 Mitglieder, davon 205 Beteiligungsgesellschaften.

Der Trend, verstärkt in junge Firmen und Start-ups zu investieren, zeichnet sich besonders in den USA ab. So wurden laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) 2015 mehr als doppelt so viele Gelder in Venture-Capital-Investitionen gesteckt wie noch im Jahr 2007. Ebenfalls deutlich erkennbar: Ab 2013 setzt ein regelrechter Boom in Sachen Venture-Capital in den USA ein – ein Zeichen dafür, dass sich der US-Finanzmarkt allmählich erholt.

Der Zugang zu Venture-Capital hat sich für Start-ups und junge Unternehmen in den letzten Jahren deutlich verbessert, auch in Deutschland. Eine Analyse  der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young) kam zu diesem Ergebnis: Deutschland belegt mit Investitionen von 823 Millionen US-Dollar in den Jahren 2010 und 2011 nur den 12 Platz des Regionen-Rankings. Allerdings zeichnete sich 2014 eine Steigerung von 250 Prozent im Vergleich zu 2011 ab.

Aktuell fließt in Deutschland und weltweit sehr viel Geld in junge Unternehmen – das sind gute Nachrichten für Entrepreneurs, aber auch für die jeweiligen Volkswirtschaften. Die Zuversicht und die Risikobereitschaft der Investoren sind so groß wie lange nicht mehr. Sie stehen bereit, um für gute Ideen gutes Geld zu geben. Einer der Hauptgründe für den Investitionsboom dürfte allerdings die hohe Liquidität im Markt sein – derzeit sucht sehr viel Geld nach renditeträchtigen Anlagemöglichkeiten. Eine Rolle spielen aber auch die immer professionelleren Netzwerke von Investoren auf der einen und Start-up-Unternehmen auf der anderen Seite“, sagt Peter Lennartz, Partner bei EY und verantwortlich für den Bereich Start-ups.

Finanzierung mit Business Angels

Business Angels (zu Deutsch Unternehmensengel) unterstützen Unternehmer sowohl mit Beteiligungskapital als auch mit langjähriger Erfahrung sowie einem wertvollen Netzwerk. Dass sie ihr Know-how zur Verfügung stellen und beratend tätig sind, unterscheidet sie von einem klassischen Investor. Business Angels sollte man nicht mit Venture Capital-Gebern verwechseln. Der Unterschied liegt in dem Zeitpunkt der Investition: Business Angels zahlen während oder kurz nach der Gründung in ein Start-up-Unternehmen – also zu einem Zeitpunkt, wo noch in den Sternen steht, ob das unternehmerische Konzept von Erfolg gekrönt sein wird oder nicht. Außerdem zahlen die Unternehmensengel nicht ganz so viel Kapital ein, wie ein Venture-Capitalist.

Die Webseite www.business-angels.de gibt eine Übersicht, wie man einen passenden Business Angel für die Realisierung seiner Firmengründung findet. Als Dachverband der Business Angels Netzwerke verknüpft die Seite Gründer mit Business Angels, in dem sie sich über ein Formular registrieren.

Grundsätzlich gilt bei Business Angels, sich mit den angebotenen Leistungen und Forderungen auseinander zu setzen. Gerade weil jede Privatperson als Business Angel fungieren kann, sollte man daher bei der Suche ganz genau hinschauen. Business Angels sollten im Optimalfall diese Eigenschaften mitbringen:

  • ein gutes Netzwerk, vor allem zu Rechtsanwälten und Investoren
  • Know-how von der Materie, im Idealfall kann er Erfolge aufzeigen
  • Erfahrung bei der Gründung von Unternehmen (Track-Record)
  • Ausreichend Finanzkraft oder gute Kontakte zu Investoren

Inkubatoren & Acceleratoren

Ein Inkubator unterstützt ein Start-up, indem es eine Büroinfrastruktur und Räumlichkeiten zur Verfügung stellt und die Unternehmensgründer berät. Acceleratoren können etwa Universitäten, Venture Capital-Gesellschaften oder die Industrie sein. Auch hier agieren die verschiedenen Stellen als Mentoren. Besonders Universitäten und Hochschulen versuchen vermehrt das Marktpotenzial wissenschaftlich erarbeiteter Ideen wirtschaftlich tragbar zu machen. Erfolgreiche Accelerator-Programme wurden von Y Combinator (www.ycombinator.com) und TechStars (www.techstars.com) in den USA ins Leben gerufen. Airbnb (www.airbnb.de) oder auch Dropbox (www.dropbox.com) gehören zu den bekanntesten Erfolgsgeschichten.

Plätze in Accelator-Programmen sind sehr begehrt – allerdings sollten Interessierte sich vorher darüber bewusst werden, ob ihr Projekt den Anforderungen entspricht und überhaupt für ein solches Programm geeignet ist. Die Zahl der Programme, die in Deutschland angeboten werden ist zwar noch relativ gering, aber ein Wachstum ist zu erkennen. Weitere Business Acceleratoren sind etwa HackFwd, Startupbootcamp, Wayra und der German Silicon Valley Accelerator. Eine umfassende Übersicht über Accelerator-Programme bietet die Seite Deutsche Startups.

Wie präsentiere ich meine Idee richtig?

Der Businnessplan ist geschrieben, der Finanzplan durchdacht und die Finanzierungsform ausgewählt? Nun gilt es, seinen Investor zu überzeugen. Denn mit ein paar aufbereiteten Power Point-Folien allein ist es leider nicht getan. Wer das Interesse seiner Zuhörer gewinnen und sich von anderen Gründern abheben will, muss sie überraschen, sie in seinen Bann ziehen und ihre alleinige Aufmerksamkeit gewinnen – sprich: seine Geschäftsidee so gut wie möglich und in kürzester Zeit zu verkaufen. Das gelingt vor allem mit innovativen Ideen als auch Humor und Storytelling. Denjenigen, die mit Leidenschaft hinter ihrer Idee stehen, wird dies nicht besonders schwer fallen.

Um bei seinem Vortrag aufzufallen, kann man sich dabei einiger technischer Instrumente bedienen. Ein interaktiver Elevator Pitch, bei der man einen Flip Chart für eine Skizze oder Stichpunkte nutzt, kann eine willkommene Abwechslung zur PowerPoint-Präsentation sein – die Zuhörer geradezu aufwecken. Eine weitere Möglichkeit ist es, einen Kurzfilm einzuspielen. Wichtig ist, dass man einen Vortrag nicht als Monolog sondern als Dialog verstehen sollte. Egal wie man seine Idee dabei vorstellt, man sollte immer authentisch bleiben – das gelingt am besten, wenn man sich in seiner Haut wohl fühlt.

Überzeugen beim Elevator Pitch

Der Elevator Pitch (zu Deutsch Aufzugspräsentation) dauert in der Regel zwischen 30 Sekunden und zwei Minuten – etwa so lange, wie man braucht, um etwa mit dem Fahrstuhl in den 42. Stock zu fahren. Der Begriff soll illustrieren, dass man zusammen mit dem Finanzvorstand eines Unternehmens in dem Fahrstuhl steht und nur begrenzt Zeit hat, um ihn von seiner Idee zu überzeugen. Insbesondere Venture Capital Gesellschaften mögen den Elevator Pitch, weil man innerhalb kurzer Zeit den Kern seines Gründungskonzeptes darlegen muss.

Bevor man seine Pitch Präsentation vorbereitet, lohnt es, sich auch andere Beispiele anzuschauen. Denn unabhängig vom Inhalt, kann man sich so ein paar Anregungen holen, wie man seine Idee am besten verpackt. Die Webseite www.fuer-gruender.de stellt auf ihrer Seite ein paar Best-Practice-Beispiele vor. Der positive Nebeneffekt: die Kreativität, die manche Gründerteams in ihren Pitch einfließen lassen zeigen, dass es durch und durch Spaß machen kann, ein Unternehmen zu gründen.

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